27. November 2013

Die Natur des Bewusstseins


Unbewusste Erfahrungen
Normalerweise nimmt man das eigene Bewusstsein nicht zur Kenntnis. Wie ein Fisch im Wasser seine Umgebung für selbstverständlich hält, nehmen wir unser Bewusstsein nicht wahr. Wenn wir un-bewusst leben haben wir aber eine unvollständige Wahrnehmung vom Leben und wir schöpfen nicht aus voller Kraft und Weisheit. 

Wir machen dann zwar Erfahrungen und erleben viele Dinge, haben Gedanken und Gefühle, aber wir sind so darin verstrickt, dass wir oft die Essenz, das Wahre der Erfahrung verpassen.

Wenn wir unser bewusstes Gewahrsein außer acht lassen, geschieht es, dass wir uns ständig auf die Inhalte unserer Erfahrungen konzentrieren, das, was unser Körper erlebt, was wir in Gedanken und Gefühlen erleben. Wir sind vollends mit dem Erleben beschäftigt und lassen uns gehen oder hinreißen. Wir kreieren dadurch oft Dramen oder Konflikte. Und wir leiden oder lassen andere leiden.

Das Bewusstsein ist eine Instanz, von der aus wir die Erfahrungen betrachten könnten, ohne uns in die Inhalte verwickeln zu lassen. Das Bewusstsein ist das, was weiß, dass es diese oder jene Erfahrung gerade macht. In der bewussten Haltung können wir einen Schritt zurücktreten und das Ganze aus einer Art zeitlosen Distanz betrachten.

Denn: Das Bewusstsein kennt keine Zeit. Es existiert außerhalb der Zeit. Der Körper existiert in der Zeit, und wenn wir in den Spiegel schauen, nehmen wir die zeitbedingten Veränderungen wahr. Doch das Bewusstsein, mit dem wir das Spiegelbild betrachten ist zeitlos. Ältere Menschen machen deshalb die Erfahrung, dass sie in einem gealterten Körper sind, sich aber im Geiste noch ganz jung wahrnehmen.

Weisheit entsteht
Wenn wir Erfahrungen machen wie z.B. Gefühle oder Körper- empfindungen, nimmt das Bewusstsein Eindrücke wahr, und mit jedem Eindruck färbt es sich. Je aufmerksamer und klarer unser Geist bei dem Erleben ist, desto besser nehmen wir die Eindrücke wahr, desto bewusster können wir auch lernen, verstehen und Erkenntnisse haben. Das ist dann etwas, das man weise leben nennen könnte.

Wenn wir unsere Aufmerksamkeit vom Inhalt der Erfahrung auf den Raum des Bewusstseins lenken, in dem sie ja stattfindet, kann Weisheit zutage treten.

Achtsamkeitspraxis 
Dafür brauchen wir die Praxis der Achtsamkeit. Wir haben gelernt, im Autopilot-Modus zu leben und viele Dinge automatisch zu denken, zu fühlen, zu erledigen, wahrzunehmen. Durch Achtsamkeit steigen wir da aus, von Moment zu Moment, und wir entwickeln die Fähigkeit des Gewahrseins, ohne uns in die Erfahrung verwickeln zu lassen.

Buddha sagt: Mit dem Geist den Geist beobachten.

Das wichtigste Werkzeug für unsere Weisheits-Entwickung ist unsere Beobachtungsgabe.

Meditation
Wie würde man das Bewusstsein beschreiben? Gibt es dafür Worte? Es hat keinen Ort, keine Farbe, es ist immer im Wandel und doch stet. Es ist leer wie der Raum, doch mit der Qualität des Wahrnehmens.

Wenn wir uns ruhig hinsetzen, den Körper entspannen und den Geist still werden lassen, können wir das Bewusstsein erforschen, studieren, wahrnehmen.

Wir entdecken, es ist klar und offen, es ist wahrnehmend und unbegrenzt. Es ist immer da.

Viele vergleichen die Natur des Bewusstseins mit der Klarheit, Offenheit und Unbegrenzheit den Himmels. Hier erscheinen Wolken und Wetter, Stürme und Regen, Wind und Sonne - doch der Himmel selbst bleibt der gleiche. Wie der Himmel nicht vom momentanen Wetter berührt und verändert wird, so ist das Bewusstsein nicht von der momentanen Erfahrung berührt.

In der Meditation erfahren wir, dass wir der Bewusstheit keinen Einhalt gebieten können. Wir können nicht nicht-erfahren. Gedanken, Geräusche, Gefühle, Körperempfindungen sind immer vorhanden.

Wir können uns in der Meditation aber vorstellen, dass das Bewusstsein ein Raum ist, in dem all diese Erfahrungen Platz haben, in dem sie da sein und wieder verschwinden können. 

Im Alltag können wir uns vorstellen: Das Bewusstsein ist wie ein Fernseher mit unzähligen Kanälen. Es ist nur Empfangsstation und wir können jederzeit umschalten. Frage dich ab und zu: Bin ich vom aktuellen Drama gefangen genommen und verwickle ich mich oder bin ich mir dessen bewusst und versuche, das Ganze mit der Klarheit des Gewahrseins zu sehen? 

Gewahrsein als Fels in der Brandung

"Die Achtsamkeit ist wie ein Fels in der Brandung, ein Ort der Zuflucht und Ruhe in Zeiten des Aufruhrs." Jon Kabat-Zinn
 


Literaturempfehlung: Das weise Herz - Jack Kornfield



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