17. Dezember 2014

Familientreffen zu Weihnachten: Das ultimative Übungsfeld für deine Achtsamkeitspraxis

Zu dieser Zeit des Jahres kommen viele Familien zusammen, zu ausgedehnten Treffen über mehrere Tage oder einfach zum Essen oder Spazierengehen.
So wunderbar das sein kann, für manch einen kann auch das eine echt anstrengende Zeit sein, aus verschiedenen Gründen, z.B. alte Konflikte kommen wieder hoch, schmerzvolle emotionale Muster zeigen sich, es gibt Leute, die einen immer wieder kritisieren müssen. Viele Leute auf einem Haufen veranstalten ohnehin oft ein stressiges Chaos. Wir kommen aus unserer täglichen Routine und verlieren das gewohnte Kontrollgefühl, das Planen und Vorbereiten der Feiern verursacht zusätzlichen Stress usw. 


Wie gehst du damit um? Wie kann man seine Familie treffen, mit schwierigen Emotionen umgehen und dabei positiv gestimmt bleiben und seine Energie behalten?
Es mag so scheinen, als ob der beste Übungsraum für Achtsamkeit ein friedlicher Zen-Tempel ist und in einigen Punkten stimmt das sicher. Aber so wie Trainingschießen nicht dasselbe ist wie ein tatsächlicher Nahkampf, so ist das Üben auf dem Meditationskissen nicht das gleiche wie inmitten eines verrückten Familientreffens zu sein. So ein Zusammenkommen bringt unsere Praxis auf ein ganz anderes Level.


Was und wie kannst du Achtsamkeit praktizieren? Versuche eine von diesen Übungen zur Zeit, z.B. wenn Onkel Gunther wieder eine seiner langweiligen Geschichten erzählt oder deine Mutter wieder an dir herummäkeln muss:


•    Komm in Kontakt mit deinem Körper und deinem Atem: Mittendrin, während die Dinge gerade geschehen, kannst du dir ein paar Sekunden nehmen und deine Aufmerk-samkeit auf deine Körperhaltung lenken. Wie fühlt sich dein Körper an, sitzt du vielleicht schon zu lang usw. Dann folge deinem Atem ein paar Mal, Einatmen, Ausatmen. Diese zentrierende Praxis bringt dich zurück in das Hier und Jetzt.
•    Bemerke deine Selbst-Fixierung: Wenn Menschen uns frustrieren oder irritieren, geschieht das häufig, weil wir darauf konzentriert sind, was wir wollen, was wir denken wie wir behandelt werden sollten, wie wir wollen, dass sich die anderen verhalten, wie die Welt ansich sein sollte. Es ist wichtig, das zu bemerken, wenn Gefühle aufkommen. Bemerke, wenn du dich nur auf dich und dein Wollen konzentrierst.
•    Frage dich: Was braucht diese Person? Anstatt darüber nachzudenken, was du willst, praktiziere und frage, was der andere braucht. Schau, wie dir das helfen kann. Versetz dich in die Lage des anderen. Fühl seinen Schmerz, ohne es zu beurteilen.
•    Höre einfach zu. Manchmal brauchen Menschen es einfach, dass du ihnen zuhörst. Das ist etwas, dass wir oft nicht mit 100%iger Aufmerksamkeit machen. Praktiziere das Zuhören ohne zu urteilen, ohne darüber nachzudenken, was du als nächstes sagst. Fühle mit der Person, stell dir vor wie es ist sie zu sein, fühle was sie zu kommunizieren versucht.
•    Beobachte deine Gedanken. Werde zum Beobachter und schau, wie deine Gedanken aus ihrem kleinen Versteck in deinem Kopf auftauchen. Hast du diesen Gedanken gerade erwartet? Kannst du den nächsten schon voraussehen? Welche Gedanken kommen dir in den Sinn? Sind diese Gedanken Du oder einfach Dinge, die auftauchen und auch wieder verschwinden?
•    Lass los. Gibt die Kontrolle auf. Stress kommt oft daher, dass wir kontrollieren wollen, wie die Dinge laufen. Entweder glauben wir, wir haben die Kontrolle oder wir wollen sie einfach nur. Praktiziere hier das Loslassen und lass die Dinge geschehen. Gehe nicht in Widerstand zu dem, was passiert. Nimm an und sei damit. Praktiziere glücklich zu sein, egal was passiert.
•    Sorge für dich. Oft sind wir sehr kritisch mit uns selbst, haben hohe Ansprüche und Erwartungen daran wie wir selbst sein sollten. Du bist ok, so wie du bist. Und wenn du achtsam wahrgenommen hast, was ist und es so sein lassen kannst, dann kümmere und sorge auch dafür, dass es dir gut geht. Schau, was du gerade brauchst, damit du ausgeglichen und in Frieden sein kannst.
•    Mach eine Aufgabe zu deinem Universum. Wenn du Kaffee kochst, mach diese Handlung und diesen Moment zu deinem Ein und Alles. Zum ganzen Universum. Als wäre da nichts anderes als das. Dann tu das, wenn du mit jemandem sprichst. Wenn du eine Frucht isst. Wenn du die Treppen hinaufgehst. Wenn du deinen Liebsten küsst, deine Verwandten umarmst.
•    Übe Wertschätzung. Dinge sind stressig, weil wir uns wünschen, sie wären anders. Aber die Dinge sind schon ziemlich bemerkenswert so wie sie sind. Wir müssen nur unsere Aufmerksamkeit darauf lenken, wie die Dinge sind und bemerken, was da ist, die Schönheit in dem sehen, sie wertschätzen. Das kannst du die ganze Zeit praktizieren.
 

Du kannst diese Übungen nicht alle gleichzeitig machen. Aber du kannst eine der Übungen nehmen und eine Weile mit ihr arbeite. Dann probier eine andere.
Eine Übung zur Zeit, ein Moment zur Zeit, und du wirst besser darin, achtsam inmitten eines chaotischen Familietreffens zu bleiben. Und dann wirst du die Schönheit sehen, welche die ganze Zeit schon da war.
 

Frohes Fest!
Eure Sarina


Text inspiriert von Leo Babauta

3. Dezember 2014

Spiegelneuronen - Warum ich fühle, was du fühlst und warum die Intuition manchmal irrt.


„Spiegelneuronen sind Nervenzellen, die im eigenen Körper ein bestimmtes Programm realisieren können, die aber auch dann aktiv werden, wenn man beobachtet oder auf andere Weise miterlebt, wie ein anderes Individuum dieses Programm in die Tat umsetzt.“

Die Forschung hat in Experimenten mit einem Affen herausgefunden, dass eine bestimmte Zelle verantwortlich ist für die Handlung „nach Nuss greifen“. Die Zelle „feuert“ (sendet Infos) aber nicht nur, wenn der Affe die Handlung ausführt, sondern auch, wenn er sieht, dass jemand anderes die Handlung ausführt.
Und sie feuert, wenn der Affe sieht, wie jemand anderes die Handlung beginnt auszuführen. "Spiegelneuronen können beobachtete Teile einer Szene zu einer wahrscheinlich zu erwartenden Gesamtsequenz ergänzen."
Wir ahnen, wir kennen das Handlungsmuster und erzählen uns die Geschichte zuende, bevor sie passiert ist. Das sieht man z.B. beim Mannschaftssport: Wenn sich beim Fußball die Spieler viel bewegen, spielen sie effektiver, da sie besser erkennen können, was der andere vorhat. Es erklärt auch, dass wir unruhig werden, wenn sich bei einer Veranstaltung ein Mensch komisch verhält – wir ahnen vielleicht, dass etwas Bedrohliches passieren könnte.

Intuitive Ahnungen können in einem Menschen entstehen, auch ohne dass er sich dessen bewusst ist. Und Intuition kann auch irren. Wenn ein Mensch in einer bestimmten Situation mit Menschen immer wieder dieselbe Erfahrung gemacht hat, wird er immer ein bestimmtes Verhalten, bestimmte Gefühle oder Körperempfindungen erwarten. Auch, wenn das in einer neuen Situation überhaupt nicht gegeben ist. Irrtümer sind häufig, da Alltagssituationen oft mehrdeutig sind. Daher sollten sich immer Intuition und rationale Analyse gegenseitig ergänzen.


Bei Angst und Stress wird das Spiegelneuronen-System übrigens lahm gelegt. Untersuchungen zeigen, „sobald Druck und Angst erzeugt werden, klinkt sich alles aus, was vom System der Spiegelneuronen abhängt: das Vermögen sich einzufühlen, andere zu verstehen und Feinheiten wahr zu nehmen.

Intuition ist in Stress-Situationen also kein guter Ratgeber." Bevor man also auf seinen Bauch hören möchte, sollte man sich ein wenig beruhigen und dann bewusst handeln.
Da das Spiegelsystem auch stark mit dem Lernvermögen verbunden ist, nimmt die Fähigkeit zu lernen, sich auf Neues und Unbekanntes einzulassen unter Stress deutlich ab.



Literatur dazu „Warum ich fühle, was du fühlst“- intuitive Kommunikation und das Geheimnis der Spiegelneuronen, Joachim Bauer