17. Dezember 2013

Stille



Wenn wir während der Meditation die Aufmerksamkeit auf die Geräusche lenken, ist es im Raum oft fast ganz still. Nur die Heizung rauscht ein wenig. Dann versuche ich als Anleitende diese Stille möglichst selten zu unterbrechen, auch weil ich sie so genieße. Und gleichzeitig bin ich mir dessen bewusst, dass diese Stille von jedem ganz unterschiedlich wahrgenommen wird.
Der eine nimmt sie nicht richtig wahr, da er die ganze Zeit auf das nächste Geräusch lauert, ein Schlucken, ein Knacken, ein Magenknurren. Ein anderer nimmt die Stille wahr und erschrickt, sie ist ihm unheimlich. Mancher entwickelt plötzlich einen Impuls sich zu bewegen, sich zu kratzen und auf dem Kissen hin- und herzurutschen, und erzeugt damit selbst ein Geräusch in die Stille hinein. Wir sind diese Stille einfach nicht gewohnt. Im Alltag sind wir daran gewöhnt, permanent „Lärm“ um uns herum zu haben oder zu erzeugen, durch Musik, durch Gespräch, durch den Fernseher. Äußere Stille ist in einer Stadt ein seltenes Gut und doch ist sie häufiger zu finden als man denkt. 

Eine kleine Übung für den Alltag:
„Wann immer um dich herum Stille herrscht, solltest du darauf lauschen, ihr Aufmerksamkeit schenken. Auf die äußere Stille zu lauschen eröffnet dir die Dimension der Stille in dir selbst.“

Die Stille in mir selbst. Auch die ist ein scheinbar seltenes Gut. Denn wenn wir still werden, fällt uns als erstes der Lärm auf, der durch unsere Gedanken entsteht. Wir wollen „abschalten“ und uns ausruhen. Doch sobald wir die äußeren Reize minimieren, werden uns die inneren Geräusch-Impulse umso bewusster.

„Das Gegenstück zum äußeren Lärm ist der innere Lärm des Denkens. Das Gegenstück zur äußeren Stille ist innere Stille jenseits der Gedanken.“

Wenn wir Achtsamkeit üben und meditieren wird der Lärm leiser, nach einer Zeit werden die Gedanken weniger und unser Geist wird stiller. Je öfter wir üben, desto leichter fällt uns dieser Prozess des Still-Werdens. Seltener wird die Haltung des Wartens auf das nächste Geräusch, die nächste Ablenkung. Mit der Übung finden wir schneller hinaus aus dem Zustand innerer Unruhe und Geschäftigkeit, der Rastlosigkeit des Geistes und der Nervosität des Körpers – hinein in eine heilsame Stille. Und wir freunden uns an mit der Stille, sie erschrickt uns nicht mehr, sondern sie wird uns wie ein guter Freund. Ein Freund, der immer da ist und auf den wir uns verlassen können, auch wenn wir ihn gerade nicht sofort spüren können.

„Sobald du dir der Stille bewusst wirst, ist sofort dieser Zustand stiller, innerer Wachsamkeit da. Du bist präsent.“

Manch einer findet diesen Zugang schnell und häufig und nutzt das Werkzeug der Achtsamkeit um Stille im Alltag und der Meditation zu genießen. Andere haben mehr Schwierigkeiten und größere Widerstände. Für sie ist das Still-Sein eine sehr herausfordernde Übung. Ich glaube, diese Stille kennenzulernen und den Zugang dazu zu erlernen und zu kultivieren, ist für jeden Menschen äußerst nährend und heilsam.
Für mich ist diese innere Stille ein Ort der Zuflucht und des Erinnerns an mein Wesen. Hier an diesem Ort gibt es keine Aufgaben oder Projekte, keine Sorgen oder Ängste, hier muss ich nichts leisten und ich muss von niemandem Leistung erwarten. In dieser Zuflucht habe ich Kontakt mit meiner innersten Wesenheit, die gut und wahr, rein und perfekt ist. Hier an diesem Ort ist auch eine Fülle zu finden, die in dem Lärm der Gedanken oft untergeht: Hier finde ich meine Kraft, meine Energie, meine Kreativität und meine Gelassenheit, hier wohnen mein Gleichmut und meine Güte, meine Liebe und meine tiefste Freude am Leben.

„Schau dir einen Baum, eine Blume, eine Pflanze an. Lass dein Gewahrsein darauf ruhen. Wie still sie sind, wie tief sie im Sein wurzeln. Lass zu, dass die Natur dich die Stille lehrt. Wenn du einen Baum anschaust und seine Stille wahrnimmst, wirst du selber still.

Jeder störende Lärm kann ebenso hilfreich sein wie äußere Stille. Inwiefern? Wenn du den inneren Widerstand gegen den Lärm aufgibst, sodass er sein darf, wie er ist, führt dich dieses Annehmen auch in den Bereich des inneren Friedens, der inneren Stille.

Wann immer du diesen Augenblick so, wie er ist - welche Form er auch haben mag - aus tiefstem Herzen annimmst, bist du still, bist du im Frieden.

Achte auf Pausen - die Pause zwischen zwei Gedanken, die kurze Pause zwischen den Worten eines Gesprächs, zwischen den Tönen beim Klavier- oder Flötenspiel, auf die Pause zwischen Ein- und Ausatmen.

Spüre die Energie deines inneren Körpers. Sofort klingt der mentale Lärm ab oder hört auf. Spüre die Energie in Händen und Füßen, in Bauch und Brust. Spüre das Leben, das du bist, das Leben, das den Körper beseelt. Dann wird der Körper eine Art Durchgang zu einem tieferen Gefühl von Lebendigkeit, das unter den wechselnden Emotionen und unter dem Denken liegt.

Kleingedrucktes aus: Eckart Tolle, Stille spricht


7. Dezember 2013

Krieger meditieren (3)

Wenn wir meditieren, üben wir für den Alltag. Wir sitzen da und lassen einen Raum in uns und um uns herum entstehen, der klar und offen und freundlich ist. Und was auch immer darin auftaucht, wir lassen es da sein. Es ist ja schon da. Wir lassen keinen Widerstand zu, sondern öffnen uns dieser Erfahrung. Die Empfindungen werden kommen und gehen, und wir erkennen, dass wir uns nicht wegen jeder Kleinigkeit eine Rüstung anziehen müssen, um unser Herz zu schützen. Wir erkennen, dass wir in genau dieser Offenheit und Unerschrockenheit bleiben können.
  
Wenn wir regelmäßig mit uns selbst sitzen, lernen wir uns gut kennen. Wir erfahren wie stark und wie verletzlich wir zugleich wir sind. Wir lernen, uns mit unserem warmherzigen, mutigen, unverwundbaren Krieger in uns zu verbinden.
Und wenn dann im Alltag eine schwierige Situation eintritt, wir allein und missmutig zu Hause sitzen oder unterwegs sind und blöde angemacht werden, oder unser Partner oder Kind uns provoziert – dann sind wir in der Übung. Wir können uns immer besser mit diesem weiten Raum connecten und mit dem Mut und der Offenheit, dem weichen Herzen.

Oft haben wir das Gefühl, wir machen diese Übung für die anderen. Die sind fies und doof und laufen herum wie ein wandelndes Schlachtfeld – und ich soll mein Herz öffnen? Wir machen diese Übung für uns! und für die gesamte Menschheit. In dem Moment, wenn wir anders reagieren, verändert sich die gesamte Atmosphäre. Auch für den anderen oder Menschen die ebenfalls betroffen sind, verändert sich etwas, wenn wir nicht wie üblich wegrennen oder zurückschlagen. Auch alle anderen erfahren etwas von dem weiten Raum, den wir kreiert haben. Durch Meditieren leisten wir einen Beitrag zum Frieden in uns und danmit in der Welt.

Text nach Pema Chödrön

„Meditation is not a matter of trying to achieve ecstasy, spiritual bliss, or tranquillity, nor is it attempting to become a better person. It is simply the creation of a space in which we are able to expose and undo our neurotic games, our self-deceptions, our hidden fears and hopes.“ Pema Chödrön

 

1. Dezember 2013

Was, wenn man im Alter nicht weise wird?

wenn man seine erfahrungen und sein wissen, seine meinungen und seine werte nicht gefiltert und gereinigt, nicht geputzt und poliert hat? wenn man sich nicht bemüht hat, das das eigene licht durch erkenntnis und weisheit zum leuchten und strahlen zu bringen?

wenn man einfach so vor sich hinlebt, hinpuzzelt, um sich selbst kreist, die mitmenschen mit seinen belanglosigkeiten langweilt oder mit seinem ärger von sich treibt oder in ein aushalten zwingt?

anstatt, die gesammelten erfahrungen und erkenntnisse an die anderen menschen, an die nachfolgenden generationen weiterzugeben, sie dadurch bereichern und seinen beitrag zum ganzen zu geben. wie viel sinnvoller, gut verbrachter muss einem doch das leben erscheinen, wenn man das tut. wie viel schöner, wenn die anderen zu einem kommen für rat und trost, gerne lauschen, gerne erinnerungen teilen, weil sie keine bloßen geschichten sind, sondern immer auch einen teil weisheit beinhalten, den der andere mit nach hause nehmen kann. ...

 





und das kann man nur, wenn man sich mit sich selbst auseinander gesetzt hat und innerlich gewachsen ist. das habe ich heute morgen so gedacht und ich weiß, ich möchte weise werden, wenn ich alt bin.