27. Oktober 2014

Netzwerktreffen Achtsamkeit in der Pädagogik

Treffen am 23.10.2014 in Berlin, Therapeium Zehlendorf

Es war total spannend zu erfahren wer wo worüber forscht. Es sind einige deutschsprachige Studien am laufen, die die Wirkung und Bedeutung von Achtsamkeit (im engeren und weiteren Sinne) im Schulkontext erforschen, z.B. in Freiburg, Frankfurt/Oder und Luzern. Inhaltlich geht es bei denen u.a. um Empathie und Emotionale Kompetenzen und Muße. Ziel der Forschung ist es u.a., Curriculums für Lehrer zu erarbeiten, welche Lehrer und Schüler im achtsamen Umgang miteinander unterstützen, zu erlernen dann als Lehrer Fortbildung.
Die Studie der Uni Freiburg z.B. forscht dazu an drei Schulen mit Lehrern und Schülern. Eine große Studie der Berliner TU untersucht das Thema achtsamer Konsum und schaut dazu in Unternehmen und Schulen. Außerdem wird zum Thema Bewusstseinsförderung in der Schule gearbeitet.
Es ging dann auch um etwas detaillierte Fragen und Schwieirgkeiten in der Forschung selbst: Erforscht man die Wirkung eines MBSR-Trainings, muss man dann die Variable des Kontextes miteinbezogen werden (z.B. zu welcher Jahreszeit wurde der Kurs gemacht, wie ist die persönliche Wirkung des Lehrers usf.) Oder andere Frage: Wenn man die Teilnmehmer der Studie per Video-Interview befragt, ist dann diese Methode nicht schon ein Eingriff, ein Kontext, da durch die Fragen eine tiefere Beschäftigung mit dem Thema initialisiert wird...
 
Ja, ganz spannend. Und irgendwie auch rührend dieses Bemühen etwas zu beweisen, was jeder erfahren kann, wenn er es mal ausprobiert. Auf jeden Fall interessiert mich die wissenschaftliche Seite - obwohl ich in der Runde als Praxis-Vertreterin saß und von meiner Arbeit an der Schule, als Netzwerkerin und als Autorin der Website für den Verein AKiJu berichtet habe.

Netzwerken

Die Website www.akiju.de geht nämlich Anfang November online. Dort werden Informationen bereit gestellt und Spenden gesammelt, um das Thema Achtsamkeit in der Schule weiter zu bringen. Vielfältige Infos stehen dort bereit für Schulen, Eltern, Kids und Sponsoren. In der Diskussion wurde klar, dass die Website noch viel mehr als Netzwerk-Knotenpunkt genutzt werden kann, indem man auch die Arbeitsbereiche Berliner Netzwerk achtsame Hochschule und das Thema achtsame Kita integriert. Außerdem soll der Aspekt Forschung noch mehr eingebunden werden und die Möglichkeit angeboten werden, dass Forscher und Praktizierende sich vernetzen. Da müssen wir nun also nochmal ran an die Website-Struktur! 

Diskussion

Desweiteren wurde wie so oft mal wieder diskutiert, was es bedeutet und beinhaltet als Lehrer Achtsamkeit an die Schule zu bringen. Die "achtsame Haltung" ist das A und O. Das sieht jeder in der Runde. Denn Achtsamkeit ist nichts, was man in einem Wochendworkshop lernt, sondern was man fortlaufend übt - ein Leben lang. Und mit der Zeit entwickelt man dadurch eine bestimmte Haltung. Und diese Haltung ist es am Ende auch, die dann im Klassenraum zum Tragen kommt, nicht, dass man weiß wie man die Kinder in die Meditationshaltung und die Klasse in die Stille bekommt.
Am Ende benötigen dann Lehrer, die bereits längere Übung in der Achtsamkeitspraxis haben, vielleicht nur wenige Übungstipps, um ihren Schülern das selbst Erlernte und Erlebte weiterzugeben - dazu brauchen sie ein kleines, für Individuelles offenes Curriculum
Lehrer ohne achtsame Haltung hingegen, können die überhaupt Achtsamkeit vermitteln, dürfen die so ein Curriculum einfach benutzen? Und wie stellt man eigentlich fest, ob jemand "richtig" achtsam ist oder nicht? 
Dies werden dann auch Themen sein, mit denen sich der Verein AKiJu auseinandersetzen muss, da er für Qualitätssicherung bei der Empfehlung von Programmen und Lehrern steht und natürlich die Sponsorengelder verteilt.

Also, es war ein interessantes Treffen, ich hab gute Leute kennengelernt und wiedergetroffen! Nun bin ich sehr gespannt, wie die Studien verlaufen und was sie ergeben werden. 

Mitte November steht die MBSR KOnferenz in Leipzig an, bei der ich in der Fachgruppe Achtsamkeit in der Schule die Website des Vereins präsentiere. Ich freu mich drauf!

So far. Liebe Grüße!



7. Oktober 2014

Happy Abwasch

Das Bild der wunderbaren Molly von Buddha Doodles zeigt, dass man jederzeit und bei den alltäglichsten Tätigkeiten bewusst fröhlich und zufrieden sein kann. Anstatt abzuwaschen und dabei an morgen oder gestern zu denken und sich vielleicht in Sorgen oder Grübeleien zu verstricken, kann man wahrnehmen, dass das Wasser angenehm warm ist, ja dankbar sein, dass es überhaupt wie durch ein Wunder immer verlässlich durch den Wasserhahn zu einem kommt. Dass man jetzt eine kleine Pause vom Denken nehmen und einfach nur abwaschen kann. Dass man das Geschirr schön sauber macht für sich selbst und die Familie usw.

Klingt langweilig? Ja wahrscheinlich. Bis zu dem Moment, in dem einem das zum ersten Mal magisch vorkommt. Der Moment, in dem man den Moment in seiner ganzen Tragweite wahrnimmt und versteht und mit dem ganzen Körper erlebt.

Unser LEBEN findet in eben diesem Moment statt! In diesem banalen Moment des Abwaschens. Und in all den anderen Momenten des alltäglichen Treibens, Anziehen, Kaffeetrinken, Fahrradfahren, Einkaufen... Ja, das ist unser Leben. Es ist voller Situationen, die sich scheinbar wiederholen und die erstmal nicht besonders erscheinen. Und es ist eine Kunst und Bedarf der Umgewöhnung, in all diesen Moment das Besondere zu sehen, nämlich das LEBENDIGSEIN. Man muss dazu wach und präsent sein und verstanden haben, dass sich über Dankbarkeit und Gleichmut Zufriedenheit und das Glück einstellen.

Irgendwie glauben wir unser Leben fand statt, damals im Urlaub oder damals als wir noch Kind waren. Oder wir warten auf ein nächstes tolles Event, in dem unser Leben stattfinden wird. Und dazwischen warten wir ab, denken herum, grübeln, sorgen uns, proben Gesprächen, Planen Projekte. Kommt dann das tolle Event, sind wir meist zu aufgeregt und unpräsent, um es wirklich zu genießen und sind hinterher vielleicht sogar noch enttäuscht.

Tatsächlich wiederholen wir die meisten Gedanken ständig, selten ist etwas ganz Neues, Frisches dabei. Wir wiederholen die Gedanken für uns und in Gesprächen wiederholen wir sie wieder und wieder. Und so passiert es, dass wir zum zehnten Mal darüber nachdenken, was der Kollege im Büro neulich mit seinem Kommentar meinte oder uns langsam wieder in den Ärger über  Politik, das Wetter, unsere schlechte Diätdisziplin oder was auch immer hineinsteigern - anstatt einen Moment zu haben, in dem wir voller Genuss und Dankbarkeit das warme Abwaschwasser an unseren Händen spüren und uns z.B. freuen, dass wir eine Familie oder einen Partner haben, für den wir abwaschen können.

In so vielen Büchern, Artikeln, Sprüchlein lesen wir, dass Glück und Zufriedenheit, Frieden und Mitgefühl in uns selbst entstehen muss unabhängig von dem Äußeren, unabhängig von den "Geschichten" die wir uns erzählen. Und dabei ist es immer wieder dieser banale Moment, der damit gemeint ist - in dem wir realisieren, dass er eben nicht banal ist, sondern dass in ihm sich unser ganzen Leben abspielt. Denn es gibt immer nur diesen Moment. Alles andere ist Schall und Rauch.

Also, Wachheit und Bewusstmachung bringen uns dahin, das wahrzunehmen und zu wertschätzen, was wir tatsächlich gerade erleben. So wird aus dem gedanklich vorgestellten Leben ein mit Lebendigkeit gefülltes SEIN. 

Eigentlich ist es ganz einfach.
Ich wünsche euch einen schönen nächsten Abwasch!