19. Februar 2016

Achtsamkeitstraining & die Selbstoptimierungsfalle

In dem ganzen Hype um das Thema Achtsamkeit und Selbstmitgefühl, bei dem alle möglichen Leute Texte schreiben, Videos drehen oder Seminare anbieten, möchte ich nochmal daran erinnern, dass es bei dem Thema nicht um Selbstoptimierung geht! Wir müssen darauf achten, dass sich die Katze nicht in den Schwanz beißt und wir das "neue Training" nicht dafür nutzen schnellstmöglich all unsere Macken loszuwerden, noch effektiver zu arbeiten oder nun endlich eben "achtsam" unsere Kilos zu verlieren. 

Es geht um Akzeptanz und um Liebe!
 
Jeder kennt ihn, den inneren Kritiker, der schlimmste von allen Kritikern. Den wollen wir besänftigen. Und das geht nicht, indem wir ihn auf Deubel komm raus zum schweigen bringen, sondern nur, indem wir uns mit ihm anfreunden.
Wer die Achtsamkeit nutzt, um endlich der zu werden, der er immer sein wollte, ist ein bisschen auf dem Holzweg. Achtsamkeit ermöglicht uns Dinge zu sehen, zu fühlen, zu erleben und zu verinnerlichen, von denen wir vielleicht noch gar keine Vorstellung haben! Wenn wir vorher selektieren, was wir wollen, lehnen wir automatisch vermeintlich Falsches ab. Und damit werfen wir vielleicht wertvolles Potential zum Lernen und Wachsen mit weg. In einem Gedicht, dass mein Lehrer Bob Stahl einmal vorlas, kommt das gut heraus:

Das ganze Aufgebot 
In diesem Leben geht es nicht darum, die Teile wegzuschneiden, die ich
nicht mag, damit jene, die ich mag, übrig bleiben. Ich wähle das ganze
Aufgebot - Tag und Nacht, Angenehmes und das Gegenteil davon, wenn
es schleppend geht und wenn es läuft wie geschmiert.
Lehnst du auch nur irgendein Stückchen des Lebens in Dir ab, so ist ein
Schlüssel, der eine Tür hätte öffnen können, verloren, rausgeschmissen
mit dem Müll. Ich bete für den Mut, die ganze Katastrophe annehmen zu
können, wie auch immer sie mir erscheint, ohne zurückzuschrecken. 

Dana Faulds

Nun denn, ich wünsche uns allen diesen Mut, immer wieder, in jeder Lebensphase, in jedem neuen Moment!



 

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